Samstag, 28. April 2007

Der träumende Mensch

Donnerstag, 18. Oktober 2001


Manche Dinge muß man einfach herausschreien. Denn über sie zu schweigen, wäre kein Eingeständnis an die mathematische Unerreichbarkeit der letzten Wahrheit, sondern lediglich Bequemlichkeit, Faulheit und Feigheit.

Die meisten Kinder schreien bei der Geburt. Niemand will wirklich in diese Welt. Doch in dem Zwang sie betreten zu müssen, in Folge von Handlungen anderer, ist des Seins tiefer und geheimer Sinn. Hierbei spielt es keine Rolle, ob Sie später die Welt als per se gut und lediglich ein wenig mangelbehaftet empfinden, oder ob Sie Ihre Existenz unentwegt verfluchen, als eine Strafe für Dinge, die sich Ihnen nicht offenbaren. Beides ist falsch und das Rätsel besteht darin, den scheinbaren Nachteil des kalten, schmucklosen Geburtszimmers zu einem Vorteil zu wandeln. Dafür kriegen Sie 70 oder 80 Jahre Zeit. Manche viel weniger. Manche mehr.

Eine lange Zeit, die ausreichen sollte. Doch es zeigt sich unverhüllt und unverschämt: des Menschen Wesen liegt im Zwang, nicht in der Freiheit. Freiheit ist eine Idee, die umgesetzt werden kann. Darin zu versagen ist die Regel, nicht die Ausnahme. Und so bleibt der Mensch ein Träumer. Der Geist träumt von Freiheit und die Seele geniesst ihren ersehnten Zwang.

Das ist der Augenblick, an dem die Schriftsteller und Filmemacher die Bühne betreten. Die Geschichtenerzähler und die Minnesänger. Die Brückenbauer des Verstehens, des Ahnens und der Sehnsucht.