Montag, 17. Oktober 2011

Zwischen Vampiren und Goblins. Auf der BuCon 2011

Vor meiner Ankunft auf der BuCon 2011 plagte mich am meisten die Frage, wer in aller Welt mich für einen Preis vorschlug, der offensichtlich für jemanden reserviert ist, der sattelfest in der Welt der Vampire, Elfen, Kobolde und - deren modernerer Zeitgenossen: der Zombies ist. Der Idee, nicht zu einer Preisverleihnug zu fahren, weil man den Preis am Ende eh nicht bekommt, wohnt oft ein gefährlicher Irrtum inne und so begab ich mich zusammen mit Anna am Ende doch in die ultimative Geek-Zone. Fazit: Es war eine gute Idee.

Tatsächlich gab es dann auch all das, was man hierbei erwartet: Feen, Vampire und Zombies. Und Vampire. Und noch mehr Vampire. Aber es gab auch Steam Punk. Und hardcore Science Fiction. Und der allgegenwärtige Geist von Wolfgang Jeschke schwebte über all dem.

Und nichts an meinen Worten ist Kritik, Vorwurf oder gar Hohn. Gerade heute brauchen wir Mythologie. Wir brauchen mehr davon. Viel mehr. Ich werde kaum jemals etwas nachhaltiges zum Thema Fantasy beitragen. Das können andere Autorinnen und Autoren viel besser. Viele von ihnen waren auch da. Meine Geschichten drehen sich weiterhin um vertraute Alltags-Themen wie Sex, Drogen und Religion. Und den Tod - die ultimative Fantasy. Doch wie eine vergessene Vorstadt-Karikatur von Philip K. Dick bin ich (wenn schon nicht der passende Leser oder Co-Autor) dennoch ein großer Fan und Befürworter dieser grenzübergreifenden und grenzüberschreitenden literarischen Sphäre. Lektionen in geistiger Offenheit und Toleranz gefällig? Fahrt einfach auf die BuCon.

Außerdem klang von allen Nominierten mein Name einem berühmten Captain am ähnlichsten. Macht das mal nach.

Am Ende ging der Preis verdienterweise an Gesa Schwartz, die mit ihrer Dankesrede alle verzauberte und in ihren Bann zog. Wer weiß, ob das Publikum nicht Teer und Federn hervorgeholt hätte, wenn es anders ausgegangen wäre? Ich hatte nochmal Glück.

Ich habe wahrhaftig keinen Grund unzufrieden sein. Da es hierzulande nur einen solchen Preis für Phantasik gibt, die Debütanten zahlreich waren und nur fünf in die engere Auswahl kamen, habe ich natürlich vor, meinen vierten Platz auf jede nur erdenkliche schamlose und der Social Media eigene Art und Weise auszuschlachten. Hier komme ich also, der viertbeste Debütant 2011 im Bereich Phantastik-SciFi-Fantasy! Isaac, Arthur, Philip und J.R.R. - ich hoffe, ihr seht zu, irgendwo aus einer transversalen Paralleldimension heraus, die wir mangels Ahnung als das Jenseits bezeichnen! Pickar out.




Notizen vom Eurotower - 15. Oktober 2011 - Nachmittag

Willy Brandt dreht sich häufig im Grabe um, bei der Vorstellung, dass die Europäische Zentralbank an dem nach ihm benannten Platz steht. Zu seiner Lebzeit wohnte im Eurotower noch eine Gewerkschaftsbank. Aber um so mehr hätte ihn sicherlich gefreut, dass sich nun mindestens vier Generationen dort versammelt haben, um gegen eine Weltordnung zu protestieren, die vom Jahr zu Jahr unerträglicher wird und nur noch wenig mit der hart erarbeiteten Real-Ökonomie des Wirtschaftswunders zu tun hat.

Am Samstag Nachmittag mochten es an die Tausend Menschen hier in Frankfurt gewesen sein. Die Intellektuellen und die Dichter und Schriftsteller haben gefehlt. So ähnelte diese Begegnung kaum den Protesten der 60er. Entsprechend war auch die Ultralinke angenehm wenig präsent. Die Menschen haben abgeschlossen mit -ismen und -isten. Das sind nur noch Etiketten, die von all jenen verteilt werden, die keine Veränderung wünschen. So gab es auch keine Entladungen der Wut oder Gewalt. Der Nachmittag ähnelte einer Beerdigung, bei der die alte, überholte Welt, mit all ihren Tricks und Heucheleien zu Grabe getragen wird. Die Blicke waren ernst, die Stirn gerunzelt. Niemand im Regierungsapparat sollte auch nur einen Hauch des Vertrauens von diesen Menschen erwarten. Weshalb auch?

Doch es zeichnete sich auch ab, dass der Effekt und der Erfolg einer solchen Begegnung am Ende von jenen wenigen abhängt, dei dort über den Samstag hinaus verharren, mit Zelten und Decken und trotz Kälte des Herbstes mit jedem weiteren Tag die nun so bitter nötige Aufmerksamkeit der Medien und Kameras auf sich ziehen.

Ich hoffe nun, dass die Menschen von Frankfurt hier weiterhin Hilfe und Solidarität zeigen. Manche können einfach einen guten Tee kochen, und andere kennen sich mit Sanitäreinrichtungen aus. In einer Stadt, in der täglich 1300 Flugzeuge landen und starten und die eine zentrale Drehscheibe für den weltweiten Monetarismus darstellt, ist es nun wichtig zu zeigen, dass es im Leben in Wirklichkeit um gänzlich andere Dinge geht.



Bilder vom Tatort: via Facebook